Festessen zu Weihnachten – Quer durch Deutschland

Festessen zu Weihnachten – Quer durch Deutschland

Weihnachten, das Fest der Freude, ist im westlichen Kulturkreis auch das Fest der reich gedeckten Tische. Fast jedes Land zelebriert sein traditionelles Weihnachtsessen. In Deutschland ist dies der Gänsebraten, die sprichwörtliche “Weihnachtsgans“, die in vielen Familien am 25. Dezember auf den Tisch kommt. Sie gilt als der deutsche Weihnachtsbraten schlechthin. Doch im Grunde gab und gibt es in Deutschland kein einheitliches Festessen zu Weihnachten, denn nicht nur jede Region sondern auch jede Familie pflegt ihre ureigenen kulinarischen Traditionen. So ist eine kulinarische Weihnachtsreise durch Deutschland immer auch eine Reise durch unterschiedliche Lebenswelten, zuckersüße Kindheitserinnerungen und regionale Essgewohnheiten. 

Kirchliche Tradition – Fastenspeise Fisch

In ganz Deutschland, besonders aber in katholisch geprägten Gegenden kennt man den Brauch, an Heiligabend ein Fischgericht, traditionell Karpfen, zu essen. Nur die Zubereitungsart variiert je nach Region. Im süddeutschen Raum isst man seinen Karpfen in Stücken paniert zu Kartoffelsalat, während in nördlichen Gegenden Karpfen blau mit Petersilienkartoffeln bevorzugt wird. Seinen Ursprung hat das Fischgericht am Weihnachtsabend in der alten Tradition der vorweihnachtlichen Fastenzeit im Advent, die erst in der Nacht zum 25. Dezember endete. Eine Schuppe des Fisches sollte stets getrocknet im Geldbeutel aufbewahrt werden, damit im kommenden Jahr das Geld nicht ausgeht. Es muß natürlich nicht immer Karpfen sein, die Braunschweiger beispielsweise mögen ihren Weihnachtsfisch lieber als Matjessalat.

Regionale Tradition – Vielfalt auf dem Teller

In Zeiten gelockerter kirchlicher Bindung werden von Flensburg bis München an Heiligabend aber auch gerne Fleischgerichte verzehrt oder eben Würstchen mit Kartoffelsalat. In Oberbayern sind es die Wollwürstel, eine Art Bratwurst ohne Haut. Dazu reicht man Sauerkraut und Kartoffeln. Die Bodenseeregion tischt zum Kartoffelsalat bereits knusprige “Schäufele” (Schweineschulter) auf. Von Hamburg bis Mecklenburg dagegen gehört der Tollatsch auf den weihnachtlichen Tisch. Diese norddeutsche Spezialität aus dem alten Pommern ist eine Art Blutwurst in Kloßform, sie wird aus Mehl, Blut und Schweineschmalz hergestellt und mit weihnachtlichen Gewürzen und Rosinen vermischt.

Abwechslungsreicher ist die weihnachtliche Tafel in Mitteldeutschland

Das Stammland der Reformation ist ein Weihnachts-Märchenland und kennt weltberühmte Spezialitäten, wie Pulsnitzer Pefferkuchen, Dresdner Stollen und das “Neunerlei”, ein Weihnachtsessen aus dem Erzgebirge. Zum klassischen Neunerlei ( sächsisch: Neinerlaa ) gehören neun Zutaten, die für eine ganz bestimmte Bedeutung stehen:

  • Gänse- oder Kaninchenbraten = Glück und Wohlstand
  • Bratwurst = Herzlichkeit und Kraft
  • Hülsenfrüchte = halten das Kleingeld im Haus
  • Sellerie = schenkt Fruchtbarkeit
  • Sauerkraut = damit das Leben nicht sauer wird
  • Rote Bete / Pilze = Freude und Glück
  • Kompott = nie versiegende Lebensfreude
  • Nüsse = damit im Alltag alles glatt läuft
  • Semmelmilch = keine Erkältung im kommenden Jahr

Beim Neunerlei-Essen im Familienkreis wird immer ein zusätzliches Gedeck aufgelegt um einen überraschend dazukommenden Besucher bewirten zu können. Jede Familie hat zudem ihre eigene Neunerlei-Variante was die Rezepte betrifft, nur die Zutatenfolge muss eingehalten werden.

Der große Weihnachtsbraten

Am ersten Weihnachtsfeiertag lieben die Deutschen ihren Braten, der ebenfalls eine lange Tradition und Symbolik besitzt. Der Schweinebraten mit Klößen etwa kam schon ab dem Mittelalter auf die Festtafel und zwar nach der Christmette. Er war deshalb das sogenannte Mettenmahl. Längst nicht jeder konnte ein Schwein ( eine Mettensau ) schlachten und arme Leute mussten sich mit der Mett(en)wurst begnügen. Erst später wurde es üblich eine Gans zu verzehren, vermutlich auch ein katholischer Brauch. Die Martinsgans als letzte Fleischspeise am 11.November läutete die Fastenzeit ein – die Weihnachtsgans am 25. Dezember beendete sie! In vorchristlichen Zeiten war die Gans übrigens das Symbol für den Segen der Erdgöttin. Auch die dazugehörigen Klöße, die bis heute zu fast jedem Weihnachtsbraten gegessen werden, verdanken ihre Bedeutung einer eher unchristlichen Dame – der Frau Percha, einer Sagengestalt der Germanen. Wer seine Klöße nicht aufaß, der zog sich ihren Zorn zu. Neben Gans und Schwein ist vor allem im Rheinland der Sauerbraten mit dunkler Lebkuchensoße und rohen Kartoffelklößen ein beliebtes Weihnachtsessen.

Plätzchen und Gebildbrote – süße Weihnachtstradition

Plätzchen gehören untrennbar zum weihnachtlichen Schlemmen dazu. Zwar gibt es im ganzen Land Vanillekipferl und Lebkuchen zu kaufen, doch hat auch beim Weihnachtsgebäck jede Region ihre charakteristischen Spezialitäten.

  • Im schwäbisch-badischen Sprachraum sind es Spitzbuben, Zebraplätzchen, Pomeranzenbrot, Zedernbrot, Springerle und das Hutzelbrot. Seinen Namen verdankt letzteres den getrockneten (“verhutzelten”) Früchten die dem Gebäck Süße und Feuchtigkeit verleihen
  • Aus Westfalen stammen die Spekulatius, reich gewürzte Mürbeteigkekse, die in speziellen Formen ihr charakteristisches Aussehen erhalten
  • Im Norden Deutschlands genießt man in der Adventzeit Heidesand und braunen Kuchen zum Tee
  • Marzipan ist die Grundlage der Frankfurter Brenten, die schon zu Goethes Zeiten gegessen wurden und ein Lieblingsgebäck des Dichterfürsten waren
  • Auf keinem hessischen Weihnachtsteller fehlen die Bethmännchen – kleine, mit Mandeln verzierte Marzipankügelchen und das “Quetschemännche”, der Zwetschgenmann aus Nüssen und Dörrpflaumen
  • Dresdner Stollen erfreut sich auch über die Grenzen Deutschlands hinaus großer Beliebtheit. Seine charakteristische Form soll das Christkind in der Wiege symbolisieren
  • Bäcker aus dem sächsischen Pulsnitz haben einst die Pulsnitzer Pfefferkuchen weithin bekannt gemacht, die noch heute nach einem aufwändigen Geheimrezept hergestellt werden
  • In der Gegend um Ulm, entstanden erstmals im 13. Jahrhundert die Lebkuchen. Sie  gehören – neben Spekulatius und Anisgebäck – zu den ältesten Weihnachtsleckereien überhaupt und sind für viele das typischste Weihnachtsgebäck. Bildgebäcke, sogenanntes Gebildbrot, kennt man schon aus vorchristlicher Zeit. Es wurden aus süßem oder auch salzigem Teig Figuren als Sinnbilder geformt, häufig sollten Gebildbrote auch gute Wünsche symbolisieren
  • Die Lebkuchenherzen aus Nürnberg gehören ebenso dazu wie der Christstollen und der Bremer Klaben, ein Kastenbrot aus reichhaltigem Hefeteig mit Rosinen, Mandeln und Kardamom
  • Im Ruhrgebiet und Rheinland hat der Stutenkerl Tradition, ein süßer Hefeteigmann mit Tonpfeife. Üblicherweise wird er gerne vom heiligen Martin an die Kinder verschenkt
  • Und im sächsischen Vogtland hängt das Werdaer Zuckermännle seit dem 19. Jahrhundert an jedem Christbaum

 

 

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