Kochsendungen liefern gute Ideen

Der erste Koch im deutschen Fernsehen war Clemens Wilmenrod. Auch wenn es sich in den Anfangsjahren um 1953 noch um bescheidene Kochsendungen handelte, kamen im Laufe der Jahre viele weitere dazu. Praktisch auf jedem der empfangenen TV-Kanäle hält das Programm zu irgendeiner Tages- oder Nachtzeit Kochsendungen bereit. Die TV-Köche kochen mit Prominenten oder Freiwillige lassen ihre Kochkünste von Profis bewerten. Es gibt eine Unmenge an TV-Formaten, die sich mit dem Thema Kochen beschäftigen. Vom Zuschauer wird nicht verlangt, dass er sich mit Stift und Block bewaffnet vor die Glotze setzt. Vielmehr geht es um das reine konsumieren. Bei den privaten Sendern ist außerdem der Verkauf von Sendezeit an die Lebensmittelindustrie ein wichtiger wirtschaftlicher Grund. Es ist eine sportwissenschaftlich bewiesene Tatsache, dass das Schauen von Nahrungsmitteln Hungergefühle hervorruft und Appetit auf reales Essen macht. Kochsendungen sorgen nicht nur dafür, dass die Zuschauer im Fernsehsessel viel Zeit ohne Bewegung verbringen. Sie animieren zudem mehr zu Essen als nötig und das macht dick.

Als TV-Koch Clemens Wilmenrod ab 1953 den Zuschauerinnen aus seinen selbst geschriebenen Rezeptbüchern vorlas, wendete sich das Fernsehen noch an jeden einzelnen Zuschauer. Mit Alfred Biolek und seiner Kochsendung “alfredissimo” startete 1994 die erste tatsächliche Kochsendung im deutschen TV. Biolek hat Kochsendungen zu großer Popularität verholfen. Die TV-Köche von heute zehren noch vom Altmeister der modernen Fernsehkochkunst. Bei “alfredissimo” wurde nicht nur gekocht und geplaudert. Biolek präsentierte Entertainment und alltagstaugliche Küchentipps sehr humorvoll.

Spätere erfolgreiche Kochsendungen wie “Das perfekte Dinner“, “Die Kocharena” oder “Die Kochprofis” lockten zu ihren Hoch-Zeiten ein Millionenpublikum an die TV-Bildschirme. Doch geht es dabei den Leuten nicht in erster Linie um das Essen. Menschen und deren Probleme werden sehr geschickt zuschauerwirksam verkauft. Was im Ausland erprobt ist und als erfolgreich gelten kann, wird auch im deutschen Fernsehen umgesetzt. So wundert es nicht, dass die Mehrzahl der heutigen Kochsendungen hierzulande Nachahmungen erfolgreicher englischer Sendeformate sind.

Unverständlicherweise ist die Mehrzahl der TV-Köche männlichen Geschlechts. Im normalen Alltag sind es jedoch eher die Frauen, die am heimischen Herd stehen und für warmes Essen sorgen. Auch männliche Fernsehköche wie Tim Mälzer, Ralf Zacherl oder Jamie Oliver oder fernsehfreudige Sterneköche wie Christian Rach, Johann Lafer oder Alfons Schuhbeck werden den Deutschen keinen Geschmack via TV bringen können. Fernsehkoch Tim Mälzer sieht in den heutigen Kochsendungen in erster Linie Unterhaltungsshows, die als Zugabe das Kochen bieten. Echte Kochsendungen, die Zuschauer unterhalten wollen, gibt es seiner Meinung nach nicht.